Begriffe wie Gruppe 0+, Gruppe 1/2/3, i-Size oder R129 wirken beim ersten Kindersitzkauf wie eine Geheimsprache. Dabei steckt ein einfaches Prinzip dahinter. Es gibt nur zwei Systeme: Das ältere teilt Kindersitze nach dem Gewicht deines Kindes ein, das neuere nach seiner Körpergrösse.
In diesem Ratgeber erklären wir dir beide Systeme in einfachen Worten. Danach weisst du, welcher Sitz zu deinem Kind passt und worauf du beim Kauf achten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- Die bekannten Kindersitz-Gruppen 0 bis 3 richten sich nach dem Gewicht deines Kindes.
- Das neuere System i-Size richtet sich nach der Körpergrösse.
- Im Handel werden heute nur noch Sitze nach dem neuen System verkauft, deinen bisherigen Sitz darfst du aber meist weiter benutzen.
- In einem i-Size-Sitz fährt dein Kind mindestens bis zum Alter von 15 Monaten rückwärts.
- In der Schweiz braucht dein Kind einen Kindersitz, bis es 12 Jahre alt oder 150 cm gross ist.
Welche Kindersitz-Gruppen gibt es?
Die Kindersitz-Gruppen stammen aus der älteren Norm ECE R44 und teilen die Sitze nach dem Gewicht des Kindes ein. Du findest sie bis heute auf vielen Verpackungen und in fast jedem Onlineshop. Insgesamt gibt es vier Stufen.
Gruppe 0 und 0+: die Babyschale
Die Babyschale mit Tragebügel ist der erste Sitz für dein Neugeborenes. Gruppe 0+ gilt bis 13 kg, was bei den meisten Babys bis zum Alter von etwa 12 bis 15 Monaten reicht. Dein Baby liegt darin immer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Auf dem Beifahrersitz darfst du die Babyschale nur verwenden, wenn der Airbag ausgeschaltet ist.
Gruppe 1: Kleinkindsitz und Reboarder
Gruppe 1 ist für Kinder von 9 bis 18 kg gedacht, also ungefähr vom ersten bis zum vierten Geburtstag. Diese Sitze gibt es in zwei Varianten. Im klassischen Kleinkindsitz schaut dein Kind nach vorne. Im Reboarder fährt es weiterhin rückwärts, genau wie in der Babyschale. Diese Richtung ist sicherer, weil Kopf und Nacken bei einem Aufprall nicht nach vorne geschleudert werden.
Gruppe 2 und 3: Sitzerhöhung mit Rückenlehne
Ab etwa vier Jahren und 15 kg folgt die Sitzerhöhung, die bis 36 kg reicht. Fast alle Modelle decken beide Gruppen ab und tragen deshalb die Bezeichnung "Gruppe 2/3". Ab dieser Stufe hält der normale Autogurt dein Kind, während die Sitzerhöhung es auf die richtige Höhe bringt. Wähl am besten ein Modell mit Rückenlehne und Kopfstütze, denn nur so ist dein Kind auch bei einem Aufprall von der Seite geschützt.
Kombinierte Gruppen: 0+/1, 1/2/3 und 2/3
Manche Sitze decken mehrere Gruppen gleichzeitig ab und wachsen so mit deinem Kind mit. Ein Sitz der Gruppe 0+/1 ist meist ein Reboarder, den du schon ab Geburt nutzen kannst. Ein Sitz der Gruppe 1/2/3 begleitet dein Kind vom Kleinkindalter bis zum Ende der Kindersitzzeit. Die Gruppe 2/3 bezeichnet die klassische Sitzerhöhung für Kinder ab etwa vier Jahren.
Kindersitz Gruppen Übersicht: alte Gruppen und neue Grössen in einer Tabelle
Neue Kindersitze haben keine Gruppen mehr, sondern eine Angabe in Zentimetern. Die folgende Tabelle zeigt dir, welche alte Gruppe zu welcher Körpergrösse passt:
| Alte Gruppe | Gewicht | Alter ca. | Körpergrösse ca. | Passender Sitz |
|---|---|---|---|---|
| 0 / 0+ | bis 13 kg | bis 15 Monate | 40 bis 75 oder 87 cm | Babyschale |
| 1 | 9 bis 18 kg | 1 bis 4 Jahre | 76 bis 105 cm | Reboarder oder Kleinkindsitz |
| 2/3 | 15 bis 36 kg | 4 bis 12 Jahre | 100 bis 150 cm | Sitzerhöhung mit Rückenlehne |
Die Altersangaben sind nur grobe Richtwerte, weil zwei gleich alte Kinder ganz unterschiedlich gross sein können. Verlass dich deshalb immer auf Grösse oder Gewicht.
Praxistipp: Miss dein Kind, statt es zu wägen. Seine Körpergrösse kennst du meist ohnehin von den Kleidergrössen, und genau diese Zahl steht heute auf jedem neuen Kindersitz.
Was bedeutet i-Size bei Kindersitzen?
i-Size ist das neuere System für Kindersitze und gehört zur Norm UN R129, die in der Schweiz seit 2014 gilt. Du kannst es dir als Sicherheits-Update vorstellen, das drei wichtige Neuerungen mitbringt.
Körpergrösse statt Gewicht
Bei i-Size wählst du den Sitz nach der Körpergrösse deines Kindes aus. Auf dem Sitz steht deshalb ein Bereich wie "40 bis 105 cm". Das ist im Alltag einfacher und passt auch besser, denn für die richtige Position von Gurt und Kopfstütze zählt die Grösse deines Kindes.
Rückwärts fahren bis mindestens 15 Monate
In einem i-Size-Sitz fährt dein Kind mindestens bis zum Alter von 15 Monaten rückwärts. Nach der alten Norm war ein vorwärtsgerichteter Sitz schon ab 9 kg erlaubt, was viele Babys bereits mit neun Monaten erreichen. Der Nacken eines Babys ist im Verhältnis zum schweren Kopf aber noch schwach. Fährt dein Kind rückwärts, verteilt sich die Kraft bei einem Unfall auf den ganzen Rücken.
Pflichttest beim Seitenaufprall
Nach der alten Norm wurden Kindersitze nur bei Unfällen von vorne und hinten geprüft. Heute muss jeder neue Sitz zusätzlich einen Test mit einem Aufprall von der Seite bestehen, bevor er verkauft werden darf.
i-Size, R129 und "Specific Vehicle": der Unterschied
Auf manchen Sitzen steht nur "R129" statt "i-Size". Beide Sitze sind nach der neuen Norm geprüft und gleich sicher, der Unterschied liegt beim Einbau. Ein i-Size-Sitz passt auf jeden Autositz, der mit dem i-Size-Symbol gekennzeichnet ist. Trägt ein R129-Sitz den Vermerk "Specific Vehicle", schaust du in der Liste des Herstellers nach, ob er in dein Auto passt. Diese Fahrzeugtypenliste findest du auf der Website jedes Kindersitzherstellers.
R44 oder i-Size: was gilt 2026 in der Schweiz?
Deinen bisherigen Kindersitz musst du nicht entsorgen. Für neue und bestehende Sitze gelten jedoch unterschiedliche Regeln.
Kindersitzpflicht bis 12 Jahre oder 150 cm
In der Schweiz fährt dein Kind im Kindersitz, bis es 12 Jahre alt oder 150 cm gross ist, je nachdem, was zuerst eintritt. Alles Weitere zu Bussen, Beifahrersitz und Sitzerhöhung findest du in unserem Ratgeber zu den Kindersitz-Vorschriften in der Schweiz.
Darf ich meinen R44-Sitz weiter benutzen?
Seit September 2024 werden im Handel nur noch Kindersitze nach der neuen Norm R129 verkauft. Einen Sitz nach der alten Norm darfst du trotzdem weiter benutzen, solange auf der Etikette R44.03 oder R44.04 steht. Nicht mehr erlaubt sind nur sehr alte Sitze mit R44.01 oder R44.02, die vor 1995 zugelassen wurden.
So liest du die Etikette deines Kindersitzes
Jeder zugelassene Kindersitz trägt eine kleine, meist orange Etikette an der Seite oder auf der Unterseite der Sitzschale. Sie verrät dir drei wichtige Dinge:
- Die Norm: Steht dort "R44", wurde der Sitz nach dem alten System geprüft, bei "R129" oder "i-Size" nach dem neuen.
- Den Einsatzbereich: Beim alten System ist das Gewicht in Kilogramm angegeben, beim neuen die Körpergrösse in Zentimetern.
- Die Prüfnummer: Bei alten Sitzen zeigen die ersten zwei Ziffern, ob der Sitz noch erlaubt ist. Mit 03 oder 04 ist alles in Ordnung, mit 01 oder 02 solltest du den Sitz nicht mehr benutzen.
Praxistipp: Fotografiere die Etikette gleich nach dem Kauf. So hast du alle Angaben griffbereit, wenn du das Auto wechselst oder den Sitz später weitergibst.
Welche Kindersitz-Gruppe braucht mein Kind?
Am einfachsten orientierst du dich an der Körpergrösse deines Kindes:
- Von der Geburt bis etwa 75 oder 87 cm fährt dein Kind in der Babyschale.
- Zwischen etwa 76 und 105 cm passt ein Reboarder oder ein Kleinkindsitz.
- Ab etwa 100 cm bis 150 cm folgt die Sitzerhöhung mit Rückenlehne.
Wähl immer einen Sitz, der deinem Kind noch Luft nach oben lässt. Ein Kind mit 98 cm wächst aus einem Sitz bis 100 cm sehr schnell heraus.
Wann ist der Sitz zu klein?
Ein Wechsel ist fällig, sobald eines dieser Zeichen auftritt:
- Der Kopf deines Babys ragt über den Rand der Babyschale hinaus.
- Die Gurte lassen sich nicht mehr auf Schulterhöhe einstellen.
- Dein Kind hat die Höchstgrösse oder das Höchstgewicht auf der Etikette erreicht.
Wechsle aber auch nicht zu früh, vor allem nicht von rückwärts auf vorwärts. Wie du diesen Übergang planst, erklären wir im Ratgeber Reboarder: ab wann und wie lange.
Mitwachsender Sitz oder Einzelgruppe?
Ein mitwachsender Sitz spart dir Geld und einen zweiten Kauf. Dafür ist er immer ein Kompromiss, weil er einem Kleinkind und einem Schulkind gleichermassen passen muss. Kleinere Kinder sitzen in einem Sitz, der genau auf ihre Grösse zugeschnitten ist, oft besser. Wir empfehlen deshalb für Kleinkinder einen Reboarder und danach eine eigene Sitzerhöhung. Ein mitwachsender Sitz eignet sich dagegen gut als Zweitsitz, zum Beispiel im Auto der Grosseltern.
Passende Kindersitze nach Grösse
Alle Sitze in dieser Übersicht sind nach der neuen Norm R129 geprüft. Die Preise gelten bei Smart Baby, Stand Oktober 2026.
| Modell | Körpergrösse | Sitztyp | Preis |
|---|---|---|---|
| Joie Steadi R129 | 40 bis 105 cm | Reboarder | CHF 139.00 |
| Graco Affix i-Size | 100 bis 150 cm | Sitzerhöhung mit Rückenlehne | CHF 109.90 |
| Cybex Solution G2 i-Fix Plus | 100 bis 150 cm | Sitzerhöhung mit Rückenlehne | CHF 209.00 |
| Thule Palm i-Size | 100 bis 150 cm | Sitzerhöhung mit Rückenlehne | CHF 259.00 |
Den Joie Steadi R129 befestigst du mit dem normalen Autogurt, deshalb passt er auch in ältere Autos ohne Isofix. Der Graco Affix i-Size wiegt nur 4,2 kg und lässt sich schnell von einem Auto ins andere wechseln. Beim Cybex Solution G2 i-Fix Plus kannst du die Kopfstütze neigen, was auf langen Fahrten das Schlafen erleichtert. Am Thule Palm i-Size verstellst du die Kopfstütze in 15 Stufen und neigst zusätzlich die Rückenlehne.
Alle Modelle findest du in unserer Kategorie Kindersitze, die passenden Babyschalen unter Babyschalen.
Häufige Fragen
Ist i-Size Pflicht?
Für neue Sitze im Handel ist i-Size beziehungsweise R129 Pflicht, für deinen bestehenden Sitz nicht. Einen Sitz nach R44.03 oder R44.04 darfst du weiter benutzen.
Passt ein i-Size-Sitz in jedes Auto?
Ein i-Size-Sitz passt auf jeden Autositz mit dem i-Size-Symbol. Bei älteren Autos findest du die Antwort in der Fahrzeugtypenliste des Sitzherstellers.
Ab wann darf mein Kind vorwärts fahren?
In einem i-Size-Sitz darf dein Kind frühestens mit 15 Monaten vorwärts fahren. Noch sicherer ist es, länger rückwärts zu fahren, in vielen Reboardern bis etwa zum vierten Geburtstag.
Was bedeutet Gruppe 1/2/3?
Gruppe 1/2/3 bezeichnet einen mitwachsenden Sitz für Kinder von 9 bis 36 kg. Er passt ungefähr vom ersten Geburtstag bis zum Ende der Kindersitzzeit.
Kann ich einen Kindersitz gebraucht kaufen?
Ein gebrauchter Sitz ist in Ordnung, wenn du seine Herkunft kennst. Kontrolliere die Etikette und frag nach, ob der Sitz schon einmal in einen Unfall verwickelt war. Am sichersten ist ein Sitz aus der Familie oder dem Freundeskreis.
Muss der Kindersitz nach einem Unfall ersetzt werden?
Nach einem Unfall musst du den Kindersitz immer ersetzen, auch wenn von aussen kein Schaden zu sehen ist.
Bring zum Kindersitzkauf am besten dein Kind und dein Auto mit, denn ob ein Sitz wirklich passt, zeigt sich erst beim Einbau. In unserem Fachgeschäft im Grüssen-Center in Pratteln machen wir mit dir gern einen Probe-Einbau, damit du sicher entscheiden kannst.