Ein Reboarder ist ein Kindersitz, in dem dein Kind rückwärts fährt, also mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Er folgt auf die Babyschale und schützt Kopf und Nacken in den Jahren, in denen sie am verletzlichsten sind.
Die meisten Fragen dazu kommen um den ersten Geburtstag. Die Füsse stossen an die Rückenlehne, dein Kind will mehr sehen, und im Bekanntenkreis fahren Gleichaltrige schon vorwärts. Die Regel ist klarer als die Ratschläge: Nach R129 ist Rückwärtsfahren bis 15 Monate Pflicht. Wie lange danach, darüber sind sich ADAC, ÖAMTC und Fachhandel nicht einig. Ihre Empfehlungen reichen von zwei bis vier Jahren. Und manche Eltern fragen sich, ob sie die Babyschale nicht gleich ganz weglassen können.
Was ist ein Reboarder?
Ein Reboarder ist ein Kindersitz, der entgegen der Fahrtrichtung im Auto eingebaut wird. Das Wort klingt englisch, ist aber eine deutsche Wortschöpfung. Im Englischen heisst der Sitz schlicht «rear-facing seat». Streng genommen ist also auch die Babyschale ein Reboarder. Im Alltag meint man damit aber den Folgesitz für Kleinkinder, der nach der Babyschale kommt. Manchmal liest man auch "Reborder", gemeint ist derselbe Sitz.
Ein Reboarder ist grösser als eine Babyschale, bleibt fest im Auto und hat einen eigenen 5-Punkt-Gurt. Befestigt wird er mit Isofix oder dem Autogurt, dazu mit einem Stützfuss oder Haltegurt, der das Kippen verhindert. Viele Modelle lassen sich um 360 Grad zur Tür drehen.
Warum ist ein Reboarder sicherer als ein Kindersitz in Fahrtrichtung?
Wegen der Proportionen. Bei einem Kleinkind macht der Kopf bis zu einem Viertel des Körpergewichts aus, bei Erwachsenen sind es 6 bis 8 Prozent. Die Nackenmuskulatur ist noch zu schwach, um diesen Kopf bei einem Aufprall zu halten.
Frontalunfälle sind die häufigste Unfallart mit schweren Verletzungen. In einem vorwärtsgerichteten Sitz halten die Gurte dabei nur den Oberkörper zurück. Der Kopf schleudert nach vorne und reisst am Nacken. Im Reboarder drückt der Aufprall dein Kind in die Sitzschale. Sie stützt Kopf, Nacken und Rücken gleichzeitig und verteilt die Kräfte auf die ganze Fläche. Laut ADAC erreicht ein Sitz in Fahrtrichtung dieses Schutzniveau nur mit einem eingebauten Airbag, der den Kopf abfängt.
Reboarder ab wann: Wann ist der Wechsel sinnvoll?
Einen Reboarder nutzt du ab dem Moment, in dem die Babyschale zu klein ist. Das ist meist um den ersten Geburtstag der Fall, bei manchen Kindern einige Monate früher oder später. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Grösse deines Kindes und die Grenzen auf der Etikette der Schale. TCS und bfu raten, die Babyschale so lange wie möglich zu nutzen, weil sie auf den Körper eines Babys zugeschnitten ist.
Reboarder sind je nach Modell ab 40, 61 oder 67 cm zugelassen. Muss dein Kind früh wechseln und kann es noch nicht sicher sitzen, wähle ein Modell mit flacher Ruheposition. In einem aufrechten Sitz sackt ein kleines Baby leicht in sich zusammen.
Wann ist die Babyschale zu klein?
Drei Anzeichen zeigen es dir:
- Zwischen Kopf und oberem Schalenrand passen keine zwei Finger mehr.
- Dein Kind hat die Grösse oder das Gewicht erreicht, das auf der Etikette steht.
- Die Schultern liegen über dem obersten Gurtschlitz.
Kein Grund zum Wechseln sind Füsse, die an die Rückenlehne des Autos stossen. Die Beine dürfen über die Schale hinausragen, das mindert den Schutz nicht. Auch eine schwere Schale ist kein Argument: Sie kann im Auto bleiben, während du nur dein Kind heraushebst. Passende Modelle für die erste Zeit findest du bei unseren Babyschalen.
Wie lange sollte dein Kind im Reboarder fahren?
Vorgeschrieben sind 15 Monate. Diese Grenze stammt aus der Kindersitznorm UN R129 (i-Size): Sitze nach R129 dürfen erst ab 15 Monaten in Fahrtrichtung genutzt werden. Drehbare Modelle tragen dafür den Aufkleber «15 M+». In älteren Sitzen nach R44 durften Kinder schon ab 9 kg vorwärts fahren, oft also vor dem ersten Geburtstag.
Die 15 Monate sind eine Untergrenze, keine Empfehlung. Wie lange dein Kind den Reboarder danach nutzen sollte, beantworten die Fachstellen unterschiedlich:
| Fachstelle | Empfehlung für das Rückwärtsfahren |
|---|---|
| ADAC | mindestens bis 2 Jahre |
| ÖAMTC | bis etwa 3 Jahre |
| Kindersitz-Fachhandel | bis etwa 4 Jahre |
| American Academy of Pediatrics | bis der Sitz rückwärts zu klein wird |
Die Zahlen unterscheiden sich, die Richtung nicht. Keine dieser Stellen rät, früher als nötig nach vorne zu drehen. Die praktische Antwort lautet deshalb: rückwärts, solange dein Kind in den Sitz passt und die Freigabe es zulässt.
Reboarder bis wann: Welcher Sitz passt wie lange?
Die Grenze setzt der Sitz. Bei Reboardern nach R129 gibt der Hersteller die Körpergrösse an, bis zu der dein Kind rückwärts fahren darf, meist zusammen mit einem Höchstgewicht.
| Reboarder-Typ | Rückwärts bis | Durchschnittliches Alter |
|---|---|---|
| Kleinkind-Reboarder | 105 cm, meist 18 bis 19 kg | etwa 4 Jahre |
| Reboarder für grössere Kinder | 125 cm, je nach Befestigung 22 bis 36 kg | etwa 6 bis 7 Jahre |
Bei Isofix-Reboardern kommt eine zweite Grenze dazu. Isofix ist für 33 kg ausgelegt, Sitz und Kind zusammen. Rückwärts fahren Kinder darin deshalb meist nur bis etwa 22 kg. Gegurtete Modelle erreichen höhere Gewichte, einige bis 36 kg.
Nach dem Reboarder folgt ein Kindersitz mit Rückenlehne. Wie lange dein Kind danach noch gesichert sein muss, erfährst du in unserem Artikel, bis wann die Kindersitzpflicht in der Schweiz gilt.
Ab wann darf dein Kind vorwärts fahren?
Nach R129 frühestens mit 15 Monaten und nur in Sitzen, die dafür zugelassen sind. Die meisten drehbaren Reboarder erlauben die Vorwärtsnutzung ab 76 cm und 15 Monaten. Dürfen heisst aber nicht müssen.
Zwei häufige Gründe zum Drehen tragen nicht weit. Angewinkelte Beine sehen für Erwachsene unbequem aus, Kinder sitzen aber meist problemlos so. Und wer nach vorne schauen will, sieht im Reboarder mehr als gedacht: Durch die erhöhte Position blickt dein Kind aus den Seitenfenstern und der Heckscheibe.
Reboarder oder Babyschale: Was passt zu euch?
Für die meisten Familien ist Babyschale oder Reboarder keine Entweder-oder-Frage: erst die Babyschale, dann der Reboarder. Die Babyschale deckt das erste Lebensjahr ab, der Reboarder die Jahre danach.
| Babyschale | Reboarder | |
|---|---|---|
| Nutzung | ab Geburt bis ca. 12 bis 15 Monate | nach der Babyschale bis ca. 4 Jahre, einige Modelle länger |
| Im Alltag | tragbar, passt oft auf das Kinderwagengestell | bleibt fest im Auto |
| Sitzposition | flach, für Neugeborene geformt | aufrechter, mit mehreren Ruhepositionen |
| Einsteigen | Kind ausserhalb des Autos anschnallen | viele Modelle um 360 Grad drehbar |
| Befestigung | Autogurt oder Isofix-Basis | Isofix, Basisstation oder Autogurt |
Viele Marken bieten Systeme an, bei denen dieselbe Isofix-Basis zuerst die Babyschale und später den Reboarder trägt. Das spart Geld. Entscheide dich aber erst für den Reboarder, wenn dein Kind den Wechsel ansteht und du es probesitzen lassen kannst. Erst dann siehst du, ob der Sitz ihm wirklich passt.
Reboarder ab Geburt: Kannst du die Babyschale weglassen?
Einige Reboarder sind ab 40 cm zugelassen und haben eine Neugeboreneneinlage. Damit sparst du eine Anschaffung. Die Zulassung verrät aber wenig darüber, wie gut ein Neugeborenes tatsächlich darin liegt. Viele dieser Sitze stehen für die Kleinsten zu aufrecht, der unterste Gurtschlitz ist zu hoch, oder die Schale ist so breit, dass dem Baby seitlich der Halt fehlt.
Dazu kommt der Alltag. Ein schlafendes Baby trägst du in der Babyschale ins Haus, ohne es zu wecken. Mit einem Reboarder geht das nicht. Weil er dauerhaft im Auto bleibt, heizt er sich im Sommer auf und kühlt im Winter aus.
Ein Reboarder ab Geburt lohnt sich für Familien, die ihr Baby selten in der Schale tragen, etwa weil der Kinderwagen ohnehin im Kofferraum mitfährt. Setz dein Neugeborenes vor dem Kauf probeweise hinein. Nur so siehst du, ob es darin gut liegt.
Welche Reboarder-Arten gibt es?
Nach der Befestigung gibt es drei Bauarten.
Reboarder mit Isofix am Sitz: Die Isofix-Arme sitzen direkt am Kindersitz und rasten in die Ösen deines Autos ein. Der Einbau geht schnell und lässt wenig Raum für Fehler. Wegen der Isofix-Grenze von 33 kg fährt dein Kind darin aber nur bis etwa 22 kg rückwärts.
Reboarder mit Isofix-Basis: Die Isofix-Arme sitzen an einer separaten Station, auf die du den Sitz klickst. Bei modularen Systemen trägt dieselbe Basis zuerst die Babyschale und danach den Reboarder. Passende Modelle findest du bei unseren Basisstationen und Isofix-Stationen.
Gegurtete Reboarder: Sie werden mit dem Dreipunktgurt des Autos befestigt und passen auch in ältere Autos oder auf Plätze ohne Isofix. Oft erlauben sie höhere Gewichte. Auch nach R129 gibt es gegurtete Modelle. Richtig eingebaut schützt ein gegurteter Sitz genauso gut, Isofix macht nur Einbaufehler seltener.
Jeder Reboarder hat zusätzlich einen Stützfuss oder Haltegurte, die ihn bei einem Aufprall am Kippen hindern.
Zwei Begriffe solltest du vor dem Kauf kennen. Drehbare Reboarder lassen sich zum Anschnallen zur Tür drehen und ab 15 Monaten wahlweise auch vorwärts nutzen. Sogenannte Pseudo-Reboarder sehen ähnlich aus, müssen aber ab 9 oder 13 kg nach vorne gedreht werden. Sie fahren also kaum länger rückwärts als eine Babyschale. Die Anleitung zeigt dir, bis zu welcher Grösse oder welchem Gewicht ein Sitz rückwärts zugelassen ist.
Worauf musst du beim Kauf eines Reboarders achten?
Die wichtigste Frage beim Kauf eines Reboarder-Kindersitzes stellst du deinem Auto, nicht dem Sitz. Reboarder bauen lang, und nicht jedes Modell passt in jedes Fahrzeug. Die Fahrzeugtypenliste des Herstellers zeigt, ob dein Auto freigegeben ist. Ob Platz für Sitz, Stützfuss und Beifahrer bleibt, zeigt erst der Einbau. Der ADAC weist darauf hin: Muss der Vordersitz weit nach vorne geschoben werden, sitzt dort niemand mehr sicher.
Beim Einbau zählen drei Punkte. Der Stützfuss darf nie auf einem leeren Staufach im Fussraum stehen, weil der Deckel bei einem Aufprall nachgeben kann. Auf dem Beifahrersitz ist ein Reboarder nur mit ausgeschaltetem Frontairbag erlaubt. Und der Gurt muss eng anliegen, ohne dicke Jacke darunter. Eine Erhebung von bfu und TCS aus dem Jahr 2023 zeigt, wie oft das schiefgeht: Jedes zweite Kind ist im Auto falsch oder gar nicht gesichert.
Neu verkauft werden in der Schweiz seit dem 1. September 2024 nur noch Sitze nach R129. Einen älteren Reboarder aus der Familie darfst du weiter nutzen, wenn seine Etikette R44/03 oder R44/04 zeigt. Mehr dazu, welche Norm 2026 gilt, liest du in unserem Artikel zu den Kindersitz-Vorschriften der Schweiz.
Reboarder bei Smart Baby
Alle vier Modelle in unserem Sortiment sind nach R129 geprüft, um 360 Grad drehbar und werden mit Isofix-Basis und Stützfuss eingebaut.
| Modell | Norm | Körpergrösse | Rückwärts bis | Besonderheit | Preis |
|---|---|---|---|---|---|
| Maxi-Cosi Emerald 360 Pro | R129/03 | 40 bis 150 cm | 105 cm | ein Sitz ab Geburt bis 12 Jahre, gleitet zum Anschnallen zur Tür | CHF 499.00 |
| Nuna PRUU 360 | R129/03 | 40 bis 105 cm | 105 cm, max. 19 kg | ab Geburt, fünf Neigungspositionen | CHF 449.90 |
| Joie i-Spin 360 | R129/03 | 40 bis 105 cm | 105 cm, max. 19 kg | ab Geburt nutzbar | CHF 229.00 |
| Joie i-Spin 360 E | R129/02 | 61 bis 105 cm | 105 cm | als Folgesitz nach der Babyschale | CHF 279.00 |
Ob ein Modell in dein Auto passt, testest du 15 Tage bei dir zu Hause oder beim Probe-Einbau in unserem Fachgeschäft in Pratteln. Alle Modelle findest du in unserer Kategorie Reboarder.
Häufige Fragen
Darf ein Reboarder auf den Beifahrersitz?
Ja, wenn der Frontairbag ausgeschaltet ist und sowohl die Anleitung deines Autos als auch die Typenliste des Sitzes diesen Platz freigeben. Ein auslösender Airbag wäre für ein Kind im Reboarder lebensgefährlich. Der sicherere Platz bleibt die Rückbank.
Sind angewinkelte Beine im Reboarder ein Problem?
Nein. Kinder sitzen beweglicher, als es von aussen wirkt, und winkeln oder kreuzen die Beine meist von selbst. Wichtig sind Kopfposition und Gurtverlauf, nicht die Beine.
Gibt es Reboarder ohne Isofix?
Ja. Gegurtete Reboarder werden mit dem Dreipunktgurt befestigt und passen auch in Autos ohne Isofix. Richtig eingebaut schützen sie genauso gut, der Einbau braucht nur mehr Sorgfalt.
Passt ein Reboarder in einen Kleinwagen?
Oft ja, aber nicht jedes Modell. Entscheidend ist, ob vor dem Sitz noch genug Platz für einen Beifahrer bleibt. Teste den Einbau vor dem Kauf im eigenen Auto.
Mein Kind weint rückwärts: Soll ich den Sitz umdrehen?
Meist hilft das wenig. Kinder protestieren selten wegen der Fahrtrichtung, sondern weil der Gurt drückt, die Kopfstütze falsch eingestellt ist oder die Fahrt langweilig wird. Diese Gründe bleiben auch in Fahrtrichtung. Prüf zuerst Gurt, Kopfstütze und Liegeposition. Ein Spiegel an der Kopfstütze der Rückbank hilft, weil ihr euch während der Fahrt sehen könnt.
Wie lange hält ein Reboarder?
Hersteller geben meist eine Nutzungsdauer von mehreren Jahren an, viele rechnen mit zwei Kindern. Das Produktionsdatum ist als kleine Uhr in den Kunststoff geprägt. Nach einem Unfall gehört der Sitz ersetzt, auch ohne sichtbaren Schaden.
Darf ich einen gebrauchten Reboarder kaufen?
Ja, wenn du seine Geschichte kennst. Er darf keinen Unfall erlebt haben, muss vollständig sein und eine gültige Etikette tragen: R129, R44/03 oder R44/04. Bei einem Sitz von Unbekannten lässt sich ein früherer Unfall nicht ausschliessen.
Quellen: UN-Regelung Nr. 129, ADAC, ÖAMTC, bfu, TCS, American Academy of Pediatrics.